No business – like show-business

Keine Berufsgruppen (auch nicht die Vorstände der Welt-Konzerne) können Spitzeneinkommen wie Entertainer im „Showbusiness“ erzielen. Eintrittskarten für die DAVID COPERFIELD SHOW kosten zwischen 100 und 200 Euro. Die Hallen haben bis zu 5000 Sitzplätze. Das sind durchschnittlich Euro 750.000.- pro Abend. Seine Tournee-Ausrüstung wiegt über 20 Tonnen. SIEGFRIED UND ROY haben täglich 2 Veranstaltungen und arbeiten ohne Ruhetag ganzjährig. Da werden Jahreseinkommen von über 200 Millionen Dollar erreicht. Das sind die Gagen der Spitzenstars (Stand 2004). Die Dimensionen sind gewaltig, der technische Aufwand superlativ. Wenn ein Elefant beispielsweise in einen weißen Tiger verwandelt wird, ist dabei allerdings keine Fingerfertigkeit erforderlich.

Die magische Praxis sieht natürlich viel nüchterner aus. Alle seriöse Entertainer kaufen epochales Equipment für mehrere zigtausend Euro, investieren Unsummen in ihre Ausbildung, arbeiten Tag und Nacht, opfern ihre ganze Freizeit und viele bleiben dennoch Amateure. Viele Menschen glauben, dass ein Opernsänger für ein bisschen „la – la – la“ jeden Abend ein paar tausend Euro „geschenkt“ bekommt. Bis es soweit ist hat jeder Musikhochschüler die ersten 2 Jahrzehnte seines Lebens die Schulbank gedrückt. Nach dem Abitur wird an jeder Fach- und Hochschule, ob für Mode und Design, Zauberakademie, Film- und Fernseh-Akademie, sehr viel Fleiß und Disziplin verlangt, während die Alterskameraden im Schwimmbad liegen, oder im Cafehaus sitzen. Nur die Elitärsten und Begabtesten erhalten ein Diplom. Die Verlierer haben die ersten 30 Jahre ihres Lebens „für die Katz“ gearbeitet, eine verkrachte Existenz. Ein privates Studium ohne eine Geldquelle ist nicht machbar. Auch die meisten Profis sind finanziell gesichert. Das kann ein reiches Elternhaus mit Interesse an der Karriere sein, oder die Künstler haben noch ein „zweites (finanzielles) Bein“. Das ist sehr oft eine Versicherungsagentur, oder ein flexibeler Nebenjob.

Ein Zaubermeister greift in die Luft und lässt eine brennende Zigarette erscheinen. Ein Zauberweltmeister greift in die Luft und lässt gleich 5 brennende Zigaretten erscheinen, 5 mal hintereinander. Für Menschen mit schwachem Intellekt besteht da kein großer Unterschied. Sie erkennen nicht die Genialität und spüren nicht die feine Poesie und die magische Ausstrahlung eines arrivierten Künstlers. Es soll tatsächlich Leute geben, die sich bei der zersägten Jungfrau ernsthaft überlegen, ob sie den oberen oder lieber den unteren Teil möchten. Die Gage von einem Zauberweltmeister für seine Salon-Magie-Show ist dabei natürlich adäquat zu seiner x-fachen Leistung. Ein eisernes Training über Jahrzehnte ist dafür die Voraussetzung. Es wirkt alles spielerisch. Echte Elite hat Humor statt Maske. Fachleute wählen einen Künstler nach seinem Pressematerial aus. Diese Berichte sind ein qualifizierter Spiegel seiner Kreativität.

Zu den Pflichten eines Profi-Zauberkünstler, der „up-to-date“ sein muss, gehören regelmäßig Seminar- und Kongressbesuche. Ein Kongresswochenende schlägt inklusiv Reise- und Hotelkosten mit bis zu Euro 1000 zu Buche. Ist der Kongress in einem anderen Kontinent, können sich diese Kosten verdoppeln. Seminare bei den Großmeister kosten ab Euro 1200/Tag. Zauber-Requisiten werden von Hand nur in einer kleinen Auflage gefertigt und sind extrem teuer. Der verschwindende Regenschirm kostet € 700 und verschwindet in einer Sekunde. Ein Zauber-Programm mit einer Dauer von 30 Minuten besteht aber aus 1800 Sekunden.

Ein Unterhaltungskünstler, der täglich mehrere Stunden probt und täglich stundenlang am Schreibtisch sitzt und dafür einen Stundenlohn von Euro 10 kalkulieren würde, müsste bei einem Auftritt im Monat Euro 1500 (30 Tage mit jeweils 5 Stunden) für seine Arbeit und eine Mindestgage von Euro 800 verlangen. Dann hätte er gerade einmal den Satz von einem Sozialhilfe-Empfänger. Bei vielen Entertainer gibt es Monate ohne nennenswerte Einkommen. Der Monat Januar ist ganz ruhig. In den Urlaubsmonaten rührt sich nicht viel. Der Monat November ist absolut tot. Die Kosten (z.B. für Werbung) werden aber laufend abgebucht. Ein Angestellter hat einen bezahlten Urlaub, das Gehalt läuft bei einer Grippe weiter, die Krankenkasse und Beiträge zur Renten-Versicherung sind gedeckt. Viele Arbeitnehmer bekommen Weihnachtsgeld, oder ein 13. Gehalt. Bei Arbeitslosigkeit, oder Berufsunfähigkeit ist zumindest die Existenzsicherung vorhanden. Ein Künstler geht da ein großes Risiko ein, das er in die Gage in Form von Versicherungsprämien hineinkalkulieren muss.

Ein Entertainer muss jeden Monat seine aktuellen Besetztdaten und professionelles Werbematerial an die Künstleragenturen versenden. Das macht man auch um sich regelmäßig in Erinnerung zu bringen. Die Homepage muss laufend aktuell sein. Sein Grafiker und sein Web-Designer kosten ihm Verrechnungssätze bis zu € 120 – 150 pro Stunde. Diese Berufsgruppen haben in der Regel eine 40-Stunden-Woche. Neben den Druckkosten für noble Prospekte kommt jeden Monat das Porto für ein paar hundert Agenturen im näheren Umkreis dazu. Bundesweit gibt es über 1000 Künstleragenturen.

Regelmäßiges inserieren in der Regional- und in der Fachpresse (Künstlerkatalog ab Euro 1200), Präsents im Branchenbuch (Gelbe Seiten, professionell ab Euro 400) ergeben Jahreskosten von einem 5-stelligen Betrag. Teilt man die Jahreskosten durch die Anzahl der Auftritte so erhält man die Selbstkosten. Das können mehrere hundert Euro pro Auftritt sein. Nur Messen und Stadtfeste, Theaterabende und Firmen-Events ergeben einen Gewinn, der auch dringend für ein jährlich neues Programm benötigt wird.

Es gehört schon viel Energie, Überwindung, Begeisterung dazu den ganzen Tag zu jobben und dann andererseits bis Mitternacht auf der Bühne zu stehen. Ein Musikerkollege spielt oft bei einer Hochzeit bis in den frühen Morgen und steht dann nur wenige Stunden später ganztags in seiner Musikschule. Erfolgreiche Künstler sind in der Regel „Workaholics“. Die Medien zeigen Prominente oft beim Feiern. Der Alltag sieht jedoch anders aus. Da gibt es nicht jede Nacht ausgelassenen Partys mit Champagner in Strömen, Vormittage in den Daunen und ein tägliches Kaviar-Frühstück.

Fragt man drei unterschiedliche Künstler, ob sie von ihrer Kunst leben können, so sagt

    1.) der Pessimist: ich bin immer kurz vor dem Verrecken,
    2.) der Optimist: mit etwas Glück kommt man über die Runden.
    3.) der kluge Mensch wird einen Weisen zitieren. F. Rooswelt sagte einmal:

        „
    wenn dir dein Broterwerb Spaß macht, brauchst du nichts arbeiten.“

Ein avancierter Künstler kennt keine Pension und wird bis zu seinem letzten Atemzug schaffen. Ein Ruhestand wäre für ihn genauso grausam, wie wenn man einer Katze das Mausen verbieten würde. Intelligente und fleißige Menschen halten sich zusätzlich bis ins hohe Alter mit Ehrenämter und einem sozialen Engagement fit. Kreative Arbeit bringt mehr Freude, als sie Energie kostet und ein gesegnetes, er-fülltes Leben voller Spaß und inneren Frieden.

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Magic Orlando wurde 2007 zum Ehrenpräsidenten der Zauberakademie bestellt

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